„Ich könnte mir nie vorstellen, am Rosenmontag zuhause zu sitzen.“

Barbara SzymanskiBarbara Szymanski

28 Jahre,
Ärztin, Notärztin.
Seit 2007 im DRK.

„Eigentlich musste ich nur einen Erste Hilfe Kurs fürs Studium machen“, sagt Barbara Szymanski, „aber dann bin ich Rotkreuzlerin geworden“. Im Jahr 2007 hatte sie begonnen sich zu engagieren, vor allem weil der damalige Erste Hilfe-Ausbilder ihr einen motivierenden Überblick über das vielseitige Ehrenamt in einer Hilfsorganisation wie dem Roten Kreuz gab. „Er hat mich mit seiner eigenen Begeisterung von der guten Sache einfach angesteckt“, erläutert die 28-Jährige. Damals war sie noch mitten im Medizinstudium, der sanitätsdienstliche Bereich lag da natürlich nahe. „Ich konnte nach meiner Sanitätsdienstausbildung recht schnell Kenntnisse anwenden und Patienten helfen“, erinnert sie sich. Eine willkommene Abwechslung zur Theorie des Studiums. Aber schnell wurde ihr klar, dass es beim DRK nicht nur um Sanitätsdienst geht. Katastrophenschutz bedeutet eine viel umfassendere Ausbildung, in der auch der Betreuungsdienst und der Technikbereich große Rollen spielen. „Mir war völlig klar, dass Technik nie mein Steckenpferd wird, aber zusammen mit den anderen Rotkreuzlern hat mir auch diese Ausbildung eine Menge Spaß gemacht. Und es gehört eben dazu.“

Heute ist Barbara Szymanski mit Leidenschaft Assistenzärztin in der Anästhesie und Notärztin; das Ehrenamt in der Hilfsorganisation hat sie aber dennoch nicht aufgegeben. Sie fühlt sich zugehörig und weiß, dass sie gebraucht wird. „Ich könnte mir nie vorstellen, am Rosenmontag zuhause zu sitzen“, erklärt sie. Damit spielt sie auf den mit Abstand größten Sanitätsdienst des Jahres in Münster an – den Rosenmontagsumzug.

Rund 100 ehrenamtliche Helfer sind dort jedes Jahr im Einsatz, um den feiernden Karnevalisten bei kleineren und größeren Notfällen beizustehen. Zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Ärzten und Sanitätern behandelt Szymanski dort die zumeist jugendlichen Patienten. Viele von ihnen haben übermäßig viel Alkohol getrunken – so viel, dass bei jedem Rosenmontagseinsatz rund 30 von ihnen sogar in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen. Nicht jeder wäre erfreut, sich zu Karneval mit sturzbetrunkenen Jugendlichen oder ihren besorgten – zuweilen aggressiv auftretenden – Freunden herumzuschlagen. Für Szymanski ist das kein Problem: „Ich kann hier sehr direkt Menschen helfen, denen es akut schlecht geht. Das ist eine sehr erfüllende Aufgabe. Besonders, wenn man am Ende des Tages zusammen mit den anderen Ehrenamtlichen noch etwas Leckeres isst und den Tag Revue passieren lässt.“

Wie die meisten Ehrenamtlichen in den Hilfsorganisationen will Szymanski etwas Sinnvolles tun und damit anderen Menschen helfen. Aber auch die eigene Weiterentwicklung und der Spaß an der Sache sind wichtige Faktoren: „Ich habe beim Roten Kreuz auch gelernt, wie man Gruppen leitet, und war während meiner Zeit als Leitungskraft ja auch mit vielen organisatorischen Fragestellungen konfrontiert. Es steht dann eben nicht nur das konkret Medizinische im Vordergrund, sondern auch, wie man Menschen motiviert und ausbildet oder wie man Strukturen schafft und Konflikte löst.“

Als Anästhesistin und Notärztin setzt sie ihre Kompetenzen nicht nur bei großen Sanitätsdiensten, wie dem Marathon oder Triathlon, ehrenamtlich für das Rote Kreuz ein, sondern auch als Prüfungsärztin bei Sanitätsdienstprüfungen der angehenden Sanitäter. „Ich erinnere mich immer noch an meine eigene Prüfung damals und wie aufgeregt ich war. Daher finde ich es schön, wenn ich jetzt in meiner neuen Rolle den Prüflingen ein bisschen die Angst nehmen kann. Aber im Grunde ist ein bisschen Aufregung ja auch gut, denn sie zeigt, dass die Sanitäter ihren Job sehr Ernst nehmen.“

Schöne Erfahrungen hat Szymanski reichlich im Kopf, wenn sie zurück denkt. Highlights waren immer wieder die Katastrophenschutz-Übungen, an denen sie mitgewirkt hat. Aber auch überregional aktiv zu werden und sich mit anderen Rotkreuz-Verbänden zu vernetzen, zum Beispiel bei der Mayday in Dortmund, hat sie sehr genossen. Einen Blick hinter die Kulissen durfte sie werfen, während sie vor einigen Jahren als „Sprachrohr der ehrenamtlichen Helfer“ an der Ausstattung der neuen mobilen Sanitätsstation mitgewirkt hat.

Fragt man Szymanski nach dem Besonderen an einem Ehrenamt in den Hilfsorganisationen, so ist es „vor allem das starke Gemeinschaftsgefühl und das hohe Maß an Qualifizierungen, die einem hier geboten werden.“ Und wie lässt sich das Ehrenamt mit Job und Privatleben vereinbaren? „Für mich gehört das DRK einfach zum Leben dazu und ich mache weiter, so lange es geht.“