„Mit Herzblut bei der Sache.“

Nils HermesNils Hermes

22 Jahre,
Rettungssanitäter
im Krankentransport.
Seit 2009 beim ASB.

8.00 Uhr. Der Wecker klingelt. Eigentlich viel zu früh für einen Samstagmorgen. Und doch ist ein lärmender Wecker für Nils Hermes auch am Wochenende nichts Ungewöhnliches. Sein Einsatz ist an diesem Tag im Sanitätsteam des Arbeiter-Samariter-Bund Münster. Damit ist er einer von insgesamt 919 Ehrenamtlichen, die sich in verschiedenen Aufgabenbereichen bei den vier Hilfsorganisationen in Münster engagieren.

Auf dem Programm an diesem trüben Vormittag: ein Brisanzspiel der Preußen; wieder einmal. Die Gäste des MSV Duisburg haben sich angekündigt. Einige der Auswärtsfans sind berüchtigt und bereits mehrmals negativ aufgefallen. Aber Polizei und Sicherheitskräfte sind vorbereitet. Und auch das ASB-Team wird an diesem tristen Dezember-Tag wieder mit einer Höchstbesetzung von 35 Helfern vor Ort sein.

„420 Stunden war ich im letzten Jahr ehrenamtlich bei Sanitätsdiensten im Einsatz“, resümiert Nils Hermes sein Jahr 2013 beim ASB. Ein zeitaufwendiges Hobby, das man nur mit viel Spaß und einer guten Portion Idealismus betreiben kann. Und von beidem hat Nils eine ganze Menge. „Der ASB ist wie eine große Familie.“ Dass das nicht nur Worte sind, merkt man dem 22-Jährigen an. Mit Leidenschaft investiert er viel Herzblut und Zeit in seine ehrenamtliche Tätigkeit. Dabei wollte Nils Hermes als Jugendlicher eigentlich zur Freiwilligen Feuerwehr in Rheine, seinem Geburtsort. Dort war bereits sein Opa aktiv. Seine Anmeldung ist aber aus unerklärlichen Gründen niemals dort angekommen und so konnte ihn ein Klassenkamerad überreden, doch einmal beim ASB Rheine vorbeizuschauen. Eine gute Idee, wie sich schnell herausstellte. Seit Mai 2009 ist Nils Hermes nun beim ASB.

Respekt vor der Aufgabe
9.00 Uhr. Ankunft am Gustav-Stresemann-Weg. Bevor es zu jedem Sanitätseinsatz losgehen kann, müssen Fahrzeuge und Einsatzmittel gecheckt werden. Nils Hermes und die anderen Helfer inspizieren die Fahrzeuge, prüfen die Ausrüstung und ihre Notfallrucksäcke. Im Erstfall muss jeder Handgriff sitzen und das benötigte Material griffbereit
sein.

Auch wenn die Vorbereitungen routiniert ablaufen und Nils Hermes bereits zahlreiche heikle Spiele begleitet hat, ein klein bisschen aufgeregt ist er dennoch: „Man weiß nie, was einen an so einem Tag erwartet.“ Nach der Einsatzbesprechung, bei der Ingo Schild – Einsatzleiter des ASB – noch einmal auf die Brisanz des Spiels und besonders auch auf die eigene Sicherheit hinweist, startet die gemeinsame Fahrt ins Preußen-Stadion.

10.30 Uhr. Ein hohes Aufgebot an Polizei und Sicherheitskräften erwartet die Fußballfans am Bahnhof und am Stadion, denn die Duisburger Fans sind bereits am frühen Vormittag angereist. Eine Reiterstaffel der Polizei soll vor dem Stadion deeskalierend und damit auch für ein friedliches Fußballspiel sorgen. Nils Hermes ist an diesem Tag als Fußtrupp im Gästeblock eingeteilt. Mit dabei ist sein Kollege Stefan Schröder. Beide wissen, was das bedeuten kann und hoffen, dass der Tag ohne schwere Verletzungen verläuft. Der Helm ist an so einem emotional aufgeladenen Spieltag Pflicht und bei jedem Rundgang dabei.

14.00 Uhr. Die Ränge sind gut gefüllt, vor allem der Gästeblock, und jeden Moment wird der durchdringende Anpfiff durchs Stadion ertönen. Bereits einige Minuten danach macht sich Ingo Schild auf zum „Kurvengespräch“. Hier tauschen sich Polizei und Einsatzkräfte kurz über die aktuelle Lage aus und besprechen, wie der weitere Einsatz verlaufen soll. Und auch Nils Hermes und sein Kollege Stefan Schröder haben ihre erste Runde durch den Gästeblock gedreht. Noch ist alles ruhig, aber das kann sich blitzartig ändern. „Ich habe Respekt vor meiner Aufgabe, aber keine Angst, sonst wäre ich hier auch fehl am Platz“, ist Nils Hermes selbstbewusst.

Eigene Sicherheit geht vor
Gerade als Nils Hermes und Stefan Schröder zur nächsten Runde im Gästeblock aufbrechen wollen, erhält Andre Dahlhaus einen Funkspruch: „Erste Flaschenwürfe Richtung Ordner.“ „Wenn uns so eine Mitteilung erreicht ist für alle Helfer klar, dass wir warten, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. Denn unsere eigene Sicherheit geht immer vor“, erklärt Nils Hermes. Doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geraten die Helfer manchmal auch selbst in Gefahr. Die Lage richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren, dass üben die Helfer immer wieder in verschiedenen Weiterbildungen.

Um körperlich fit zu bleiben und den vielfältigen Aufgaben gewachsen zu sein, ist Nils Hermes gerne auf dem Wasser unterwegs. Wildwasserpaddeln ist seine große Leidenschaft. Diesem Hobby versucht er so oft wie möglich nachzugehen, aber dennoch gehören die Wochenenden meist dem ASB.

18.00 Uhr. Endlich neigt sich für die Helfer der Fußballtag dem Ende entgegen. Es war ein anstregender Nachmittag. Die Bilanz: 27 Personenmussten versorgt und zehn davon ins Krankenhaus gebracht werden. Die Verletzungen waren allerdings nicht auf zu viel Alkohol oder randalierende Fans zurückzuführen. Für die Preußen nahm der trübe Dezember-Nachmittag mit einem knappen 2:1 Sieg eine gutes Ende. Und auch Nils Hermes ist froh, als das Team endlich zum ASB zurückkehrt. Jetzt müssen nur die Materialien verstaut werden und der Feierabend kann für Nils und seine Kollegen beginnen.