„Im Katastrophenfall sind wir oft die letzte Instanz.“

Sebastian BittnerSebastian Bittner

25 Jahre,
Krankenpfleger,
Fachberater Ausbildungen.
Seit 2003 im DRK.

Auf den Tischen liegen bunt beschriftete Plakate. Stichwörter wie „Reanimation“ oder „Beatmung“ sind darauf zu lesen. Sebastian Bittner steckt mitten in den Vorbereitungen für das kommende Wochenende, an dem er angehenden Sanitätern das nötige Fachwissen für den Einsatz vermitteln wird. Es handelt sich um eine der vielen Ausbildungen des DRK-Kreisverbandes Münster aus dem Bereich Katastrophenschutz.

Als Fachberater Ausbildungen führt Sebastian Bittner selbst einen Großteil des Unterrichts durch und übernimmt zudem zahlreiche administrative Tätigkeiten. Er erstellt beispielsweise Jahrespläne, organisiert die Personalbesetzung von Lehrgängen und überprüft regelmäßig die Qualifikation der Ausbilder. Auch die Betreuung der Teilnehmer sowie die Erstellung von individuellen Ausbildungsprogrammen gehören zu seinen Aufgaben. Sobald er anfängt von seinen Erlebnissen zu erzählen, wird spürbar, wie leidenschaftlich er sich für das Thema Katastrophenschutz interessiert. „Einsätze wie die Loveparade in Duisburg oder das Hochwasser 2013 sind natürlich auch für die Ehrenamtlichen keine schönen Erfahrungen“, berichtet der 25-Jährige, „sie zeigen mir aber, wie wichtig unsere Arbeit für die Gesellschaft ist. Im Katastrophenfall sind wir oft die letzte Instanz.“

Des Themenspektrum der Ausbildungen ist breit angelegt. „Man lernt deutlich mehr als Pflaster zu kleben und Suppe auszuteilen“, sagt er scherzhaft. In den Veranstaltungen erklärt er seinen Zuhörern, wie man Verletzte versorgt und Betroffene betreut. Aber nicht nur das, auch Technik und Logistik spielen eine wichtige Rolle im Lehrprogramm. Dabei gestaltet er die Ausbildungen so lebhaft wie möglich und setzt auf Interaktivität: „Ich möchte die Teilnehmer dazu ermutigen, sich selbst einzubringen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“

Besonders wichtig ist ihm, das Wissen praxisnah zu vermitteln. Dafür kommen ehrenamtliche Notfalldarsteller zum Einsatz, die sich in die Rolle von verletzten Patienten begeben, um möglichst realistische Fallbeispiele darzustellen. „Ziel ist es, die Teilnehmer so auszubilden, dass sie unabhängig und eigenverantwortlich arbeiten können“, erklärt Bittner, „es ist schon eine Besonderheit des Ehrenamtes in den Hilfsorganisationen, dass freiwillige Helfer eine so fundierte Ausbildung erhalten.“

Menschen wie Sebastian Bittner übernehmen in Hilfsorganisationen eine Schlüsselfunktion: Einerseits bringen sie sich selbst aktiv als ehrenamtliche Helfer ein, andererseits geben sie ihr Know-How weiter und tragen so zur Professionalisierung der Freiwilligenarbeit bei. Da er selbst mal „klein angefangen“ hat, kann er auf viele Jahre Erfahrung beim Roten Kreuz zurückblicken. Bereits seit seiner Schulzeit engagierte er sich ehrenamtlich für die Hilfsorganisation. „Alles begann mit dem Schulsanitätsdienst des Jugendrotkreuzes in Wadersloh“, erinnert sich Bittner, „mit 15 absolvierte ich eine Gruppenleiterausbildung und konnte so bereits früh Verantwortung übernehmen. Mit 16 wurde ich dann parallel zum Jugendverband auch Mitglied beim Roten Kreuz.“

Heute investiert der hauptberufliche Anästhesie-Krankenpfleger einen Großteil seiner Freizeit für die ehrenamtliche Tätigkeit – häufig auch am Wochenende. „Natürlich ist das anstrengend“, räumt er ein, „aber es macht großen Spaß und ist für mich das perfekte Hobby.“ Fragt man Sebastian Bittner nach seinen Zukunftsplänen beim DRK, fällt die Antwort erstaunlich knapp aus: „Weitermachen!“ Eine andere Reaktion hat allerdings auch niemand erwartet.