Tag des Ehrenamts am 5. Dezember – Vier Interviews

Zum Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember lassen wir vier Aktive zu Wort kommen. Jeder von ihnen kommt aus einer der vier Münsteraner Hilfsorganisationen, die im Bevölkerungsschutz zusammen arbeiten. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter (JUH) und die Malteser (MHD) engagieren sich gemeinsam für Münster und sind bei vielen Notlagen im Einsatz.

 

Nils Hermes-ASBNils Hermes (26), Gruppenführer Technik und Rettungsassistent, engagiert sich seit acht Jahren für den ASB.

Was machst du genau?
Ich bin vor allem fürs Organisieren zuständig, ich bereite unter anderem Dienstabende oder Fortbildungen vor. Außerdem bin ich im für die Führung verantwortlich, wenn unsere Technikgruppe einen Einsatz hat. In meiner Funktion als Techniker bin ich Teil der Einsatzeinheit und kümmere mich bei Einsätzen zum Beispiel um Arbeitsplatzbeleuchtung, Absperrmaßnahmen und andere unterstützende Tätigkeiten. Ich bin zusätzlich auch als Rettungsassistent tätig und kann daher in verschiedenen Funktionen bei Einsätzen helfen.

Was motiviert dich?
Ich bin über meine Ausbildung zum Rettungsassistenten über die Ortsgruppe Greven in den Bevölkerungsschutz reingerutscht. Da wurde ich angesprochen, ob ich auch ehrenamtlich für den ASB tätig sein möchte. Da ich schon immer gerne organisiert habe, kam vor allem die ehrenamtliche Tätigkeit als Gruppenführer für die Technik infrage.

Ein schönes Ereignis?
Bei einem Einsatz in Schönebeck, als die Elbe über die Ufer getreten ist und die Stadt vom Hochwasser bedroht war, waren wir zusammen mit den Maltesern in einer Schule untergebracht und haben dort die Küche betrieben. Nebenan war ein Kindergarten und an einem Tag sind die Kinder mit selbst gebackenem Kuchen und selbst gemalten Bildern zu uns gekommen und haben sich für unsere Hilfe bedankt.

Warum ist dir das Ehrenamt so wichtig?
Für mich selbst ist Ehrenamt wichtig, weil ich durch meine Tätigkeit neue Leute kennenlernen kann und spannende Lehrgänge besuche. Für uns als Organisation ist Ehrenamt wichtig, weil wir Menschen brauchen, die sich auch nach Feierabend noch um das Wohl anderer kümmern. Außerdem sind Ehrenamtliche jederzeit für einen Einsatzfall erreichbar, das finde ich sehr wichtig.

 

Marion Dahlmann-DRKMarion Dahlmann (55), Leiterin der DRK-Rettungshundegruppe Münster, ist seit 18 Jahren ehrenamtlich für das DRK aktiv und zuvor schon acht weitere Jahre in anderen Organisationen.

 

Was machst du genau?

Ich führe einen Rettungshund als Mantrailer für die Personensuche und leite unsere Rettungshundegruppe beim DRK. Ich organisiere die Ausbildungen für Mensch und Hund, kümmere mich um die Übungsgelände und halte Kontakt zu den beteiligten Behörden. Im Einsatzfall sorge ich für eine routinierte Abwicklung. Ich berate neue ehrenamtliche Interessenten und integriere sie in die Gruppe. Mein eigener Hund Bruno ist ein vom DRK geprüfter und von der Polizei gesichteter Mantrailer. Das heißt, mit ihm kann ich mithilfe eines persönlichen Gegenstands einer vermissten Person denjenigen finden. Ich bin 24/7 für die Polizei erreichbar und kann für Einsätze in ganz NRW angefordert werden. Dabei unterstützt mich nicht nur mein Lagotto-Romagnolo Hund, sondern meist auch ein weiterer Helfer und ein Fahrer.

 

Was motiviert dich?

Ich hatte schon immer einen Hang zu Hunden und Ehrenamt war in meiner Familie selbstverständlich. Schon mein Vater leitete damals einen Schäferhunde-Verein. Da war es nur noch ein kleiner Schritt hin zur Rettungshundearbeit. Es macht mir einfach Riesen Spaß und es ist auch noch sinnvoll. Dabei ist mir die Unterstützung der ganzen Rettungshundegruppe, des DRK als Verband und auch meiner Familie sehr wichtig. Alleine könnte ich das nie.

 

Ein lustiges Ereignis?

Naja, wenn ich am Einsatzort ankomme, mit der Polizei den Suchauftrag bespreche und dann meinen Hund aus dem Auto hole, dann staunen die meisten nicht schlecht. Einen so knuddeligen, süßen Hund, der ein bisschen wirkt wie ein Schäfchen, erwarten die meisten nicht, wenn sie sich einen Rettungshund vorstellen. Aber diese Rasse wird auch als Trüffelsuchhund geschätzt – wegen ihrer sehr guten Nase.

 

Warum ist dir das Ehrenamt so wichtig?

Ehrenamt spielt eine bedeutende Rolle für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Es macht sie vielfältiger und reicher. Viele Dinge würde einfach niemand tun, wenn es immer nur um Profit ginge und es kein Ehrenamt gäbe. Wenn ich ein kleines bisschen zum Gemeinwohl beitragen kann, macht mich das sehr glücklich.

Jasper Mönnighoff (27), Feldkoch und Rettungshelfer, ist seit acht Jahren ehrenamtlich bei den Johannitern

Was machst du genau?
Ich bin Feldkoch in der Einsatzeinheit der Johanniter in Münster. Meine Aufgabe besteht in der Verpflegung der gesamten Helferschaft, sowie der Unterstützung der Feldküchen bei großen Einsätzen wie etwa Evakuierungen. Vom einfachen Tee über feuriges Chili bis hin zu saftigen Schnitzeln mit leckeren Kartoffeln und Salatbeilagen reicht meine Speisekarte: leckeres Essen für jeden Geschmack. Meine eigentliche Funktion sehe ich somit darin, die gute Laune der Einsatzkräfte zu erhalten.  

Was motiviert dich?
Ich koche leidenschaftlich gerne und empfinde es jedes Mal als besonders spannend mit einfachsten Mitteln ein schönes Menü zuzubereiten, welches den Kolleginnen und Kollegen im Einsatz schmeckt und die nötige Energie bringt. Selber war ich oft als Helfer bei Evakuierungen aufgrund von Bombenentschärfungen dabei. Nach 4-5 Einsatzstunden ohne Essen nimmt die Motivation ab. Döner und Co. sind da keine Dauerlösung und so habe ich beschlossen selber die Verpflegung zu übernehmen. Nach einem Feldkochlehrgang mit reichlich praktischen Übungen war es entschieden, mein Einsatzort ist da, wo es heiß hergeht.

Ein lustiges Ereignis?
Am lustigsten war für mich eine Situation, als wir auf einem großen Event unsere Einsatzkräfte mit Burgern und frischem Salat verpflegt haben. Dies entging auch einigen Besuchern des Events nicht, die zu uns kamen und baten, ob sie einen Burger kaufen könnten. Auf den Hinweis, dass es sich um Verpflegung für die Helfer handele, aber auf dem Gelände ein Imbisswagen stehe, antworteten sie: „ Da waren wir schon, aber hier riecht es um ein Vielfaches besser“.   

Warum ist dir das Ehrenamt so wichtig?

Für mich ist der ehrenamtliche Einsatz eine Win-Win-Situation, so wie zum Beispiel der Starkregen vor drei Jahren in Münster. Jeder, der dann mit anpackt, schafft einen Mehrwert für die Gesellschaft und erhält dafür das gute Gefühl von Gemeinschaft und oftmals auch den direkten Dank von den Menschen, die die Hilfe erfahren.

 

Grant Lopez-MHDGrant Lopez (18), Sanitäter beim Malteser Hilfsdienst, ist seit zwei Jahren ehrenamtlich tätig.

Was machst du genau?

Ich übernehme Sanitätsdienste, bin aber auch in der Einsatzeinheit der Malteser Münster. Im Bevölkerungsschutz helfe ich bei Einsätzen, wie etwa bei Evakuierungen oder Großschadenslagen. Selbstverständlich gehört zu meinen Aufgaben auch die Aufrechterhaltung unser Wache, wie die Grünpflege oder Hausmeisterarbeiten. Ja, auch das gehört dazu. (lacht)

Was motiviert dich?

Ich wollte unbedingt einen Ausgleich zum Schulalltag finden und mit Hilfsbereitschaft für möglichst viele Menschen da sein. Genau das geht als „Sani“ bei den Maltesern am besten.

Ein schönes Ereignis?

Eines meiner schönsten Erlebnisse hatte ich bereits mit einem meiner ersten Patienten. Der Vorfall eignete sich bei unserem Einsatz am Rosenmontag. Den Patienten habe ich etwas später nach dem Einsatz durch Zufall privat wieder getroffen. Er hat mich sofort erkannt und sich mehrmals bedankt, da wir durch unsere Hilfe Schlimmeres verhindern konnten. Und der Patient ohne weitere Schäden nach einem Krankenhausaufenthalt entlassen werden könnte.

Warum ist dir das Ehrenamt so wichtig?

Mir ist mein Ehrenamt so unfassbar wichtig, weil es meine Zeit in der Woche ist, in der ich den Alltag vergessen kann und mich auf andere Sachen konzentriere. Es ist einfach ein unglaublich gutes Gefühl zu helfen und vor allem zu sehen, dass man wirklich selbst auch Menschen helfen kann. Man kann sein Wissen unter Beweis stellen und zeigen, was man drauf hat. Die Abwechslung und die Ungewissheit, was als nächstes auf mich zukommt, machen die ganze Sache noch viel interessanter. Es wird einfach nicht langweilig.